Nationale Gedenkstätte Oranjehotel

Gleich vorab zur Verdeutlichung: Beim Nationalmonument Oranjehotel handelt es sich um kein Hotel, sondern um ein Gefängnis. Genauer gesagt um den Zellentrakt des Polizeigefängnisses Scheveningen, das die deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkrieges in Scheveningen für Angehörige des Widerstandes in Gebrauch nahmen.

 

Der Name Oranjehotel entstand als ironische Anspielung auf das in Scheveningen damals tatsächlich existierende Hotel d’Orange. Doch im Oranjehotel saßen die „Gäste“ unfreiwillig, weil sie sich für das Vaterland (das Haus Oranien) einsetzten.

Die Todeszelle 601

Der Anlass für die Erhaltung des Zellentraktes war die Zelle 601, die Todeszelle. Im Jahr 1946 beschloss das Comité Oranjehotel, das von ehemaligen Gefangenen gegründet wurde, eine der Todeszellen in Gang D zur Gedenkstätte zu erklären. Diese Todeszelle ist aufgrund ihrer Bedeutung noch heute im Originalzustand zu sehen. Die anderen Zellen waren bis 2010 als Gefängnis in Gebrauch. Erst 2019 wurde das Museum Nationalmonument Oranjehotel eröffnet. Es liegt übrigens auf dem Gelände des noch heute genutzten UN-Gefängnisses, wo die vom Internationalen Strafgerichtshof Angeklagten auf ihr Urteil warten. Sie werden beispielsweise des Völkermordes oder des Verbrechens gegen die Menschlichkeit beschuldigt, unter ihnen war auch Slobodan Milošević.

Was ist im Oranjehotel zu sehen?

Einer der wichtigsten Anlaufpunkte ist die bereits erwähnte Todeszelle 601. Hier warteten die zum Tode Verurteilten auf die Vollstreckung: Auf der benachbarten Waalsdorpervlakte in den Scheveninger Dünen wurden insgesamt 215 Menschen erschossen. Zwei Abschiedsbriefe von Gefangenen an ihre Angehörigen sind zu lesen – und auch in deutscher Sprache per Audioguide zu hören. Sehr ergreifend! Weiterhin gibt eine sehr gut aufbereitete und unglaublich informative Ausstellung einen Einblick in das Leben der Inhaftierten.

Alltag im Oranjehotel

In den kleinen Zellen, die zugänglich sind, befanden sich ein Bett, ein Klapptisch mit Hocker und ein Eimer für die Notdurft. Doch nicht ein Mensch saß hier ein, sondern drei bis vier, manchmal sogar fünf. Nur einer der Gefangenen konnte das Bett nutzen, die anderen schliefen auf Strohsäcken am Boden. Essen gab es über eine kleine Luke: mittags Kohlsuppe und abends trockenes Brot. Zum „Auslüften“ wurde ein kurzer Aufenthalt im Hof gewährt. Bis zu 1.500 Gefangene waren im Oranjehotel zur gleichen Zeit eingesperrt.

Wer saß hier ein?

Die nationalsozialistischen Besatzer nahmen Widerstandskämpfer gefangen, aber auch Politiker, Kommunisten, Christen, Juden, Intellektuelle und Kriminelle. Zwischen sie wurden auch immer wieder Spione in die Zellen gesetzt, um mehr aus den Gefangenen herauszubekommen. Insgesamt waren über 25.000 Menschen, die auf ihren Prozess oder eine Umverlegung warteten, im Oranjehotel inhaftiert.

Das Knast-Kommunikationsmittel

Neben Eingravierungen in die Zellenwand und kleinen Spickzetteln (ebenfalls in der Ausstellung zu sehen) gab es unter den Zellen-Bewohnern eine Art der Kommunikation: Mit einem Nagel wurde auf Rohre oder Zellwände geklopft, um Neuigkeiten zu verbreiten, z. B. über die aktuelle Kriegssituation. 1 x Klopfen = A, 2 x Klopfen = B etc. 

Das Oranjehotel nach 1945

Die Niederlande wurden am 5. Mai 1945 durch die Alliierten befreit. Danach diente das Oranjehotel als Gefängnis für die deutschen Besatzer. Schon am 12. Mai 1945 wurden die ersten 350 Insassen inhaftiert, die der Kollaboration mit den Nationalsozialisten und der Beteiligung an Verbrechen im Sinne des Londoner Abkommens beschuldigt wurden. Diese Urteilsvollzüge fanden bis 1948 statt. Danach war das Oranjehotel – wie schon erwähnt – bis 2010 ein „normales“ Gefängnis. Heute beherbergt der alte Zellentrakt das die Gedenkstätte Oranjehotel.

Unbedingt einen Besuch wert!

Ein sehr sehenswertes Museum, das so gut aufbereitet ist, dass es selbst diejenigen in seinen Bann zieht, die mit Geschichte normalerweise wenig am Hut haben. Vor allem der Einführungsfilm, der in mehreren Zellen gezeigt wird, ist sehr ergreifend, denn es kommen ehemalige Gefangene zu Wort. Beeindruckend ist der Einblick in das Leben der Insassen, die teilweise nichts anderes getan haben, als der „falschen“ Religion oder Berufsgruppe anzugehören.

Adresse Oranjehotel:

Van Alkemadelaan 1258 / Ecke Stevinstraat

2597 BP Den Haag

www.oranjehotel.org

 

Öffnungszeiten und Eintritt

Di-So 11-17 Uhr

9,50 € Erw., Jugendliche 8-24 Jahre 5 €

Museumkaart (noch) nicht gültig (dazu muss das Museum ein Jahr bestehen) 

Praktische Tipps:

• Parken gratis

• Audiotour auch in Deutsch, Filme mit englischen Untertiteln

• empfehlenswert für Kinder ab 8 Jahre

• Kompliment auch an die vielen Ehrenamtlichen, die das Museum unterstützen.

• Im Museumscafé gibt es neben einem guten Kaffee einen noch besseren Apfel- oder Möhrenkuchen der Bäckerei Dudok.

• von der Straßenbahnhaltestelle der Linie 9 (Nieuwe Duinweg) noch rund 10 Gehminuten bis zum Museum